Nachruf
Rita Schmidt (1931-2017)
von Wolfgang Volk
Rita Schmidt
Rita Schmidt
 
Am 8. Mai 2017 erreichte uns die Nachricht, dass unser Mitglied Rita Maria Schmidt (1931–2017) im Alter von 85 Jahren, wohnhaft in Berlin-Wannsee verstorben ist.
Rita Schmidt wurde am 21. Dezember 1931 in Tirschtiegel im Kreis Meseritz (heute Międzyrzecz, in der polnischen Wojewodschaft Lebus gelegen) geboren, besuchte dort von 1938 bis 1942 die Volksschule und anschließend bis zum 25. Januar 1945 die Oberschule in Meseritz.
Der weitere Lebenslauf spiegelt die Verhältnisse der Nachkriegszeit wider. Seit dem 10. Februar 1945 wohnte ihre Familie in Weisen (Kreis Perleberg). Aus finanziellen Gründen war ihr aber der weitere Besuch der Oberschule nicht möglich, weshalb sie bis zum 26. Juli 1946 die Grundschule in Weisen besuchte. Dann folgten drei Jahre praktische Tätigkeit in der Landwirtschaft, die Teilnahme an einem etwa halbjährigen Ausbildungskurs für Grundschullehrer in Dallmin (Kreis Westprignitz) und ab August 1950 Lehrtätigkeit als Schulamtsbewerberin in der Grundschule Fürstenwalde-Süd. Die 1. Lehrerprüfung legte sie am 25. Februar 1952 ab, was ihr ein Studium an einer Pädagogischen Fakultät einer Universität ermöglichte.
So studierte sie ab September 1952 an der Humboldt-Universität Mathematik und Physik, das sie mit dem Staatsexamen für Mittelstufenlehrer am 14. Juli 1955 abschloss. Es folgten zwei Jahre Lehramt in Schwerin und eine kurze Tätigkeit als wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Mathematik im Pädagogischen Institut in Karl-Marx-Stadt bevor sie ab Dezember 1957 die Ranke-Schule in Berlin-Wedding besuchte und dort am 16. September 1958 die Reifeprüfung ablegte. Dem folgte vom Wintersemester 1958/59 bis zum Sommersemester 1962 ein Studium der Fächer Mathematik und Physik an der Freien Universität, das sie mit dem Diplom abschloss.
Seit September 1962 bis zu ihrem Eintritt in den Ruhestand war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Hahn-Meitner-Institut für Kernforschung1) (HMI), zunächst in der Auftragsabteilung und seit etwa 1970 in der Arbeitsgruppe für Numerische und Angewandte Mathematik.
Etwa im Jahr 1976 lernte ich Rita Schmidt beim Diplomanden- und Doktorranden-Seminar von Prof. Hans-Joachim Töpfer (seinerzeit Bereichsleiter am HMI) kennen, das dort stets vor Ort stattfand und das sie öfters besuchte. Von Anfang 1979 bis Juni 1983 waren sie und ich (als Doktorand) sogar Kollegen am HMI. Sie besuchte um diese Zeit oft Tagungen zu mathematischen Themen und „beschwerte“ sich einmal bei mir, dass sie immer mit Frau Dr. angeschrieben würde, obwohl sie doch gar nicht promoviert sei. Und ergänzte – sicher kokettierend –, das sei schließlich ihr Grund ein Promotionsvorhaben zu realisieren, das sie am 24. Juli 1980 mit der mündlichen Prüfung abschloss. Nur kurze Zeit später sprach sie mich sinngemäß wie folgt an: Herr Volk, stellen Sie sich vor. Kaum bin ich promoviert, adressieren „die“ an Frau Prof. Da mach' ich aber nicht mehr mit!
In den Folgejahren ist unser Kontakt erfreulicherweise nie abgebrochen. Wir sahen uns immer wieder bei mathematischen Veranstaltungen, so machte sie mich während der Jahrestagung der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV), die anlässlich des Stadtjubiläums (750 Jahre erste urkundliche Erwähnung) in Berlin stattfand, darauf aufmerksam, dass die BMG im Anschluss eine Vortragsreihe namens „Die Bedeutung der von Berlin ausgehenden Mathematik in Vergangenheit und Gegenwart“ durchführe (siehe [1, S. 12f]). Bei dieser Gelegenheit warb sie mich als neues Mitglied der BMG.
Rita Schmidt engagierte sich in den Jahren 1975 – 1977 und 1979 – 1986 als Beiratsmitglied/Beisitzerin sowie von 1979 – 1994 als Kassenprüferin in unserer Gesellschaft (vgl. [1, S. 183f], [2, S 352]). Wir werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren.
Am 19. Mai 2017 werden das Requiem um 9:00 Uhr in der Kirche St. Michael im Ortsteil Wannsee (Königstraße 43) und die Beerdigung um 10:30 Uhr auf dem Friedhof Wannsee (Lindenstr. 2A) stattfinden.
 

Referenzen

[1]   Vorstand der Gesellschaft: Sitzungsberichte der Berliner Mathematischen Gesellschaft, Jahrgänge 1972 – 1987, Berlin, 1987
[2]   Heinrich Begehr: Die Berliner Mathematische Gesellschaft: Ursprung, Gründung, Neugründung, Sitzungsberichte der Berliner Mathematischen Gesellschaft, Jahrgänge 1997 – 2000, Berlin, 2001, S. 267-366
[3]   Rita Schmidt: Ein Parameteridentifizierungsproblem aus der Pulsradiolyse, Dissertation, 1980, Berlin
 

Bildnachweis

Ausschnitt einer Fotografie von der BMG-Herbsttagung „Wellen, Diffusion, Turbulenz“ im Jahr 2012, aufgenommen von Michael E. Klews

1) Das Hahn-Meitner-Institut heißt seit dem 5. Juni 2008 Helmholtz-Zentrum für Materialien und Energie.