Mathematischer Ort des Monats Oktober 2026
Straßenschild zur Konrad-Zuse-Straße in Berlin-Adlershof
von Wolfgang Volk
 
Konrad-Zuse-Strasse
Straßenschild zur Konrad-Zuse-Straße
 
Die Konrad-Zuse-Straße im Norden des Ortsteils Adlershof verläuft parallel der Grenze zum benachbarten Ortsteil Johannisthal, dessen gleichnamiger Landschaftspark sich jenseits dieser Grenze nach Norden anschließt. Die Konrad-Zuse-Straße verläuft zwischen dem Groß-Berliner Damm und der Newtonstraße.
Nun ist der Computer-Pionier Konrad Zuse (1910-1995) in Berlin-Wilmersdorf geboren worden. Und so gibt es in Berlin auch etliche Stätten, wo seiner gedacht ode4 er gewürdigt wird. Am Bundesplatz waren zwei Trafohäuschen mit Porträts bekannter Persönlichkeiten, die in der näheren Umgebung wohnten, als Graffiti ansprechend ausgestaltet worden.1) Eines dieser Porträts zeigte Konrad Zuse mit Bezug auf sein Geburtshaus in der Tübinger Straße 2. Ihm ist auch ein Denkmal im Spreebogen gewidmet. Ferner würdigt eine aus Porzellan gefertigte Berliner Gedenktafel in der Methfesselstraße in Berlin-Kreuzberg den ersten funktionsfähigen Computer ZUSE Z3. Im Hauptgebäude der Technischen Universität weist eine Bronzetafel darauf hin, dass im Jahr 1976 K. Zuse mit dem Wener-von-Siemens-Ring geehrt wurde. Schließlich erfährt K. Zuse noch im Erfinderbahnhof (U-Bahnhof Weberwiese) mit einer großen Wandtafel entsprechende Berücksichtigung.
Doch auch jenseits der Stadtgrenzen trifft man auf Stätten, die Konrad Zuse würdigen. In der Regel sind dies allerdings Orte mit einem persönlichen Bezug zu ihm.
So gelang es Konrad Zuse zum Ende des Zweiten Weltkriegs die Bauteile seiner Z4 aus Berlin ins Allgäu zu verfrachten und vor dem Zugriff der Alliierten zu verstecken. In der beschaulichen Gemeinde Hopferau2) baute er diesen Rechner zusammen. Das Schloss Hopferau – dessen Ursprünge reichen bis ins Jahr 1468 zurück – wurde vom zwischenzeitlichen Eigentümer (2011-2025), dem Personaldienstleister BERA GmbH, zu einer Zuse-Gdenkstätte ausgebaut und als (Tagungs-)Hotel betrieben.
So findet sich auf dem Anwesen, in unmittelbarer Nähe des Parkplatzes ein Gedenkstein, der folgende Inschrift aufweist (vergleiche nachstehendes Foto):
Hier hat Konrad Zuse von
1946 bis 1949 den ersten
kommerziellen Computer
der Welt – Z4 – vollendet.
Er begründete damit
das digitale Zeitalter.
Schloss zu Hopferau – BERA GmbH
Gedenkstein in Hopferau
Gedenkstein im Schlosspark in Hopferau
 
Sollte jemand die grafische Darstellung über der Inschrift befemdlich finden? Dies klärt sich vor Ort schnell auf – sie gibt die Kontur des Frontgiebels des Schlosses wieder (vergleiche [2]).
Das Hotel3) besitzt einen Tagungsraum, der ganz im Gedenken an K. Zuse gstaltet ist.
Tagungsraum in Hopferau
Gedenkstein im Schlosspark in Hopferau
 
Im Treppenhaus des Hotels sind verschiedentlich Zitate von Konrad Zuse zu finden, die durchaus ein Nachdenken verdienen:
  • Ich war zu faul zum Rechnen und erfand den Computer.
  • Der Mensch soll sich von fremdbestimmten Tätigkeiten befreien und sie Maschinen überlassen, um sich selbst stärker zu entfalten.
  • Die Gefahr, dass der Computer so wird wie der Mensch, ist nicht so groß wie die Gefahr, dass der Mensch so wird wie der Computer.
Im Ortsteil Wiedemen der Gemeinde Hopferau ist der zentrale Platz (ebenfalls) nach Kontad Zuse benannt. Auffälligstes Merkmal dieses Platzes ist ein Brunnen, auf dessen Beckeneinfassung der Name der Verkehrsfkäche auffällig prangt.
Konrad-Zuse-Platz in Wiedemen
Konrad-Zuse-Platz im Ortsteil Hopferau-Wiedemen
 
Über dem Wasserzulauf ist die Jahreszahl 1992 zu lesen
Weniger auffällig und auf dem Foto rechts hinter dem Brunnen zu erkennen ist eine Kupfertafel nur leicht geneigt montiert. Ihre Inschrift ist in Frakturschrift gestaltet und lautet wie folgt:
Konrad-Zuse-Platz
Professor Dr. Konrad Zuse (* 22.06.1910
+ 18.12.1995) lebte von 1946 bis 1949 mit
seiner Familie in Wiedemen im Bauernhof
Hauser und arbeitete in dieser Zeit in
einem Mehllager in Hopferau an der
Rechenmaschine "Z4" einem Vorläufer
des heutigen Computers.
Eine Wüdigung ganz anderer Art erfährt Konrad Zuse nahe der Stiftsruine in der nordhessischen Kreisstadt Bad Hersfeld. Dort ist ein Standbild, das ihn annähernd lebensgroß wiedergibt, zu finden – als Teil eines „Doppeldenkmals“. Die andere Komponente würdigt den Verfasser des nach ihm benannten Rechtschreibwörterbuchs der deutschen Sprache ebenfalls mit einem Standbild.
Standbild in Bad Hersfeld
Das Standbild, Konrad Zuse darstellend, in Bad Hersfeld.
 
Neukirchen (heute ein Ortsteil der Gemeinde Haunetal) war in den Jahren 1949-1965 Sitz der Firma ZUSE KG und liegt ziemlich mittig zwischen den Städten Bad Hersfeld und Hünfeld.
Vor der hessischen Gebietsreform der 70er Jahre ds 20. Jahrhunderts gehörte die Gemeinde Neukirchen zum Landkreis Hünfeld – heute gehört die Gemeinde Haunetal zum Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Seit 2006 führt die Stadt Hünfeld den offiziellen Zusatz „Konrad-Zuse-Stadt“. Auch dort ist im Bürgerpark ein Standbild errichtet. Ferner ist in Hünfeld das Konrad-Zuse-Museum beheimatet, dessen Exponate sich jedoch nicht ausschließlich auf den Namenspatron beziehen, sondern auch die Stadt- und Kreisgeschichte einschließt.
 

Referenzen

[1]   Wolfgang Volk: Denkmal zu Konrad Zuse in Bad Hersfeld, Exponat der virtuellen Ausstellung Zeugnisse zu Mathematikern
[2]   Wikipedia: Schloss Hopferau
 

Bildnachweis

Porträt   Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons, Gemälde von Bernhard Christoph Francke
Straßenschild   Wolfgang Volk, Berlin, Straßenschilder im 18. Stadtbezirk (Arrondissement) in Paris
 

1) Diese Grafitti sind duch Vandalismus verunstaltet und insbesondere das zu K. Zuse als solches nicht mehr erkennbar.
2) etwa 10 km nordwestlich der südbayerischen Stadt Füssen gelegen
3) Der Autor nächtigte daselbst im November 2021.